Bin ich für einen Dobermann geeignet?
20. Juli 2009
Die Frage sollte nicht sein, ob ein Dobermann für Sie geeignet ist, sondern ob SIE für den Dobermann geeignet sind.
Die Grundstimmung des Dobermanns
- intelligent
- anhänglich
- merkt sich Dinge sehr gut
- lernt schnell
- sensibel
- verschmust
- wachsam
- willensstark / ein anderer Name dafür wäre dickköpfig ;-)
Der Dobermann - ein Gebrauchshund
Von mehr als 400 Hunderassen weltweit, wurden in Deutschland nur neun Rassen das Prädikat "Gebrauchshund" zuerkannt. Gebrauchshunde sind Hunde, die für ganz bestimmte Tätigkeiten eingesetzt (gebraucht) werden. Sie werden auch als Arbeitshunde bezeichnet. Es gibt z.B. viele Dobermänner, die als Wachhund oder als Polizeihund fungieren. Erforderliche Eigenschaften wie gute Nasenleistung, Unterordnungsfreude und Schutztrieb wurden bei diesen Rassen durch gezielte Züchtung gefestigt. Das ist jedoch nur die eine Seite des Dobermanns. Viele Dobermannbesitzer nutzen ihren Hund auch als "Gebrauchshund", machen Schutzdienst mit ihm bzw. Hundesport. Wir persönlich machen mit unserem Hund keinen Schutzdienst. Ich denke, das sollte jedem Hundebesitzer selbst überlassen sein. Wenn man sich für einen solchen Sport entscheidet, sollte ein fundiert ausgebildeter Trainer bzw. ein sehr guter Verein dahinter stehen, da man ansonsten viel beim Hund kaputt machen kann. Wir haben uns gegen eine Schutzhundeausbildung entschieden. Dadurch, dass ein Dobermann jedoch als Gebrauchshund gezüchtet wurde, braucht er eine gute Auslastung, einerseits körperlich, andererseits durch Kopfarbeit. Das ist immer wichtig bei der Anschaffung zu bedenken. Habe ich genug Zeit für meinen Dobermann? Gerade ein Dobi fordert viel. Es ist kein Hund, der den ganzen Tag in einer Ecke liegt und eine "ruhige Kugel schiebt". Ein Dobermann möchte arbeiten, aktiv und gefordert sein.
So ist der Dobermann in seinem Menschenrudel
Der Dobermann ist in der Familie sehr anhänglich, treu, verschmust und sensibel. Der Dobermann braucht eine oder zwei feste Bezugspersonen. Es wird in Büchern immer wieder gesagt, dass ein Dobermann sich innerhalb der Familie ein Mitglied aussuchen wird, dem er bedingungslos gehorcht. Diesem gehöre die volle Aufmerksamkeit und Treue. Ein Dobermann kann sehr wohl zwei Bezugspersonen haben- gesetz dem Fall beide kümmern sich gleichermaßen um ihn un strahlen eine gewisse Autorität und Zuverlässigkeit aus. Meist wird es so sein, dass er zu einer Bezugsperson mehr tendiert, aber das heißt nicht, dass sein anderer Mensch komplett außen vor ist. Präferieren wird der Dobermann meist jemanden, der in sich ruht, ruhig, bestimmt und selbsbewusst ist. Auch andere Rudelmitglieder werden akzeptiert und gemocht, jedoch wird er hier nie so anhänglich und gehorsam sein.
Auslauf
Der Dobermann ist kein reiner Zwingerhund. Einsamkeit ist für den Dobermann nur sehr schwer zu ertragen. Falls man berufstätig ist, kann ein Zwinger mit einem großen Auslauf dann sinnvoll sein, wenn man niemanden hat, der den Hund zum Lösen nach draußen lassen kann. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass es für den Hund auf jeden Fall angenehmer ist, bei seinen Menschen zu wohnen. Falls man einen Zwinger einmal für einen kurzen Zeitraum nutzen muss, ist es wichtig, dass der Hund diesen immer positiv verknüpft. Sprich: Nirgends anders darf es so gute Leckerlies geben wie im Zwinger. Es ist sicherlich besser, einen Hund, während man berufstätig ist, in einem großen Zwinger mit Auslauf zu halten, wo er etwas von seiner Außenwelt mitbekommt, als verkümmert eingesperrt in einem kleinen Zimmer im Haus. Unser Dobi hat z.B. keinen Zwinger, da wir ein großes Haus und jemanden haben, der ihn zum Lösen nach draußen lassen kann.
Ein Dobermann ist ein wunderbarer Hund, der sehr anhänglich und verschmust ist. "Pfeffer im Hintern" hat er ordentlich! Unser Dobi ist auch unheimlich aktiv, sehr wach, aufmerksam, will überall dabei sein und auch gefordert werden. Ein Workaholic ist er nicht. Aber er braucht auf jeden Fall auch Kopfarbeit und mindestens 1-1,5 Std. Auslauf am Tag. Ich höre immer wieder, dass Leute drei Stunden mit ihrem Dobi raus gehen. Das schaffe ich definitiv nicht, da ich vormittags berufstätig bin. Gut ans Alleinlassen gewöhnt und ohne Sachen, die er kaputt machen kann, herum liegen zu lassen, wartet er auf mich geduldig bis um zwei Uhr.
Ich denke, ein Hund fordert das, was man anfängt. Geht man zwei Stunden mit ihm, gewöhnt er sich an zwei Stunden. Geht man drei Stunden, gewöhnt er sich an drei. Eineinhalb Stunden Auslauf mit Toben usw. am Nachmittag und noch eine Stunde Kopfarbeit oder Spielen am Abend bzw. nochmal eine halbe Stunde Gassi und unser Dobi fühlt sich wohl. Ich muss aber dazu sagen- das war harte Arbeit. Am Anfang dachte ich, ich verzweifele. Man muss sich das bei einem Dobi etwa die ersten Monate so vorstellen, wie wenn ein Baby ins Haus kommt. An Schlaf ist nicht zu denken. Aber wir haben durchgehalten und es hat sich echt gelohnt. Ein Dobermann ist sehr sportlich und hat Freude am Lernen. Ich mache mit meinem Dobi keinen Hundesport. Wir spielen aber viel bzw. lernen Tricks und Unterordnungsübungen. Er hat einen ausgeprägten Lauftrieb und benötigt viel Bewegung, um ausgeglichen und zufrieden zu sein. Eine Stunde gemütlich Spazierengehen am Tag reicht leider nicht aus. Durch seine Lernfähigkeit, seine Intelligenz und ungebremste Power ist der Dobermann der ideale Hund für Menschen, die sich gerne bewegen und gerne mit ihrem Hund trainieren, üben und spielen.
Erziehung
Wichtig ist natürlich, gerade bei einem so großen Hund wie dem Dobermann, eine gute Sozialisierung, damit er sich gut mit Artgenossen versteht. Das hat bei uns auch gut geklappt und er mag die meisten anderen Hunde bzw. ist sozial verträglich. Eine gute Welpenspielgruppe mit nicht zu vielen Teilnehmern und Hunde in einer ähnlichen Größe, hilft da sehr.
Die Erziehung bei einem Dobermann ist definitiv schwieriger als bei einem anderen Hund. Es gibt sicher Ausnahmen, aber bei uns und auch bei vielen Bekannten, war es so. Gerade Rüden probieren immer wieder aus, ob das Gelernte denn immernoch gilt und würden sich gern mehr Rechte erschleichen :) ABER: Der Dobermann ist bei konsequenter, bestimmter Behandlung (und da meine ich auf keinen Fall körperliche Gewalt), sondern keine Ausnahmen machen, selbstsicheres Auftreten, feste Stimmlage Stimmlage usw., sehr dankbar und gehorsam und fühlt sich in seinem Rudel sicher. Hündinnen oder kastrierte Rüden sollen oft etwas leichter händelbar sein. Nach der Pubertät wird es mit dem Dobi einfacher. Bei konsequenter Übung lernt der Dobi leicht und schnell.
Viel Zeit beansprucht die Leinenführigkeit. Ich kenne einige Dobi-Besitzer, die meinen, das Ziehen ist beim Dobi sei "normal". Ich sehe das nicht so, sondern denke, dass jeder Hund das Laufen ohne Ziehen an der Leine lernen kann. Bei unserem Rubin hat es ungefähr ein Jahr gedauert und jetzt läuft er auch gut an der Leine (es sei denn, er sieht irgendwas unheimlich Interessantes;-). Wir benutzen eine Flexi-Leine für Spaziergänge auf Wegen, in der Stadt oder auf Fußwegen. Dadurch hat er genügend Spielraum, aber man kann ihn dennoch gut händeln. Beginnt er zu ziehen, bleibe ich stehen und er muss umkehren oder ich laufe in die komplett andere Richtung. Manchmal biege ich ganz unvermittelt irgendwo ab, damit er schenll reagieren muss. So bleibst er aufmerksam und konzentriert. Bei Spaziergängen auf Feldern und Wiesen ist er meist an der 1o-Meter-Schleppleine. Dadurch hat er einen großen Radius zur Verfügung, man kann ihn jedoch jederzeit abrufen und sicherstellen, dass alle Kommandos befolgt werden.
Der Dobermann braucht eine konsequente, aber liebevolle Erziehung, keine Schläge oder andere Aggressionen ihm gegenüber. Er benötigt klare Ansagen, eine der Situation angemessene Stimmlage und Körperhaltung sowie Durchsetzungsvermögen, gepaart mit viel Einfühlungsvermögen. Konsequenzu ist das A und O. Dann wird er mit seinem Menschen durch dick und dünn gehen..
Besonderheiten
Neue Dinge, viel Aktion und Gewühl sowie Menschenmassen machen einen Dobermann erst einmal aufgedreht, da braucht er die Ruhe von seinem Menschen, um wieder herunter fahren zu können und sich daran zu gewöhnen. Unser Dobi bleibt allerdings auch bei Menschengruppen recht gelassen und lässt sich davon nicht beeindrucken.
Viele Dobermänner haben Jagdtrieb. Diesen kann man aber, wenn man früh genug damit anfängt, in den Griff bekommen. Wichtig ist es, immer schneller zu sehen als er. Ich habe auch von einigen Dobis ohne Jagdtrieb gehört. Dies scheint auch abhängig vom jeweiligen Charakter zu sein.
Kosten
Die Kosten für den Dobi sind relativ hoch. Das ist zumindest bei uns so, da er auch nur die besten Knochen, Leckerlies, Futter usw. bekommt. Von Spielzeugen oder Hundebett ganz zu schweigen. Aber das hat man bei einer anderen mittelgroßen bis großen Rasse ja auch... Beachten sollte man, dass Tierarztrechnungen relativ hoch ausfallen können. Bitte kalkulieren sie dies VOR der Anschaffung eines Dobis mit ein.
Für wen ist ein Dobermann nicht geeignet?
Meiner Meinung nach ist ein Dobermann nicht geeignet für:
- wenig selbstbewusste Menschen. (Er würde hier nie Respekt zeigen und würde immer versuchen, sich in der Rangordnung hoch zu arbeiten.)
- Menschen, die den ganzen Tag berufstätig sind. (Ein Dobermann benötigt Zeit.)
- sehr hibbelige, nervöse Menschen. (Ein Dobermann braucht jemanden, der ihm Ruhe und Sicherheit vermitteln kann.)
- in der Hundeerziehung unerfahrene Menschen. (Es sei denn, eine hohe Bereitschaft des Halters zum Lernen ist da.)
- Menschen, die ihn nur als Statussymbol sehen. (Ein Hund ist ein Partner mit einer Seele, kein Objekt.)
- Menschen, die keine Freude an Bewegung haben. (Der Dobermann liebt Bewegung und Aktion.)
- Menschen, die impulsiv und wenig beherrscht reagieren. (Ein Dobermann braucht Halt und Konsequenz.)
- Menschen, die wenig Zeit haben. (Ein Dobermann möchte mit seinem Menschen viel Zeit verbringen und fordert viel.)
- einen Menschen, der wenig sensibel ist. (Er ist auf einen Menschen angewiesen, der merkt, wie er "tickt", und der sich in ihn versetzen kann.)
- unsichere Menschen. (Ein Dobermann braucht jemand, der ihm Halt und Sicherheit geben kann.)
- unkonsequente Menschen (Ein Dobermann braucht Sicherheit und Konsequenz, um sich in seinem Rudel wohl zu fühlen und seinen Platz darin zu finden.)
- Menschen mit wenig Selbstreflexion (Um mit Qualität und Einfühlungsvermögen einen Hund auszubilden, muss man sich selbst stets reflektieren können)
Nehmen Sie sich diese Punkte bitte zu Herzen. Es gibt unheimlich viele Dobermänner, die angeschafft werden, weil sie so wunderschön sind und wir Menschen meist schöne Hunde besitzen wollen. Überlegen Sie bitte vorher, ob Sie wirklich für einen Hund geeignet sind, der die oben genannten Eigenschaften von Ihnen dringend benötigt. Es gibt bereits zu viele Dobermänner, die wieder abgegeben wurden, weil die Besitzer aus allen Wolken fielen, da diese Rasse nicht nur schön, sondern auch überaus anspruchsvoll ist. Wenn Sie nicht die Eigenschaften, die oben beschrieben sind, besitzen, wird weder Ihr Dobi mit Ihnen noch werden Sie mit Ihrem Dobi glücklich werden.
Unser Fazit
Der Dobermann ist wunderschön, sensibel, sehr anhänglich und liebt seinen Menschen. Wenn man Zeit für ihn hat (und er braucht mehr Zeit als ein anderer Hund, würde ich sagen-aber auch nicht ständig), konsequent, aber nicht brutal in der Erziehung ist (das würde er seinem Menschen früher oder später übel nehmen oder dann anderweitig irgendwann ausbrechen...), Geduld hat (VIEL Geduld) und einerseits aktiv ist, andererseits auch ein ruhender Gegenpol sein kann, ist man der richtige Mensch für den Dobermann. NATÜRLICH IST JEDER HUND EIN INDIVIDUUM UND VIELLEICHT IST IHR HUND GANZ ANDERS ALS EBEN BESCHRIEBEN. AUCH DAS KANN SEIN. Oft treffen jedoch zumindest einige, der genannten Eigenscharften beim Dobermann zu.
